Tageblatt Artikel vom 9. März 2010

Skinheads zeigen keine Reue

Schneeclaus-Totschläger ist weiter in der norddeutschen Neonazi-Szene aktiv

BUXTEHUDE. Der Antifaschistische Aktionskreis Gedenken an Gustav Schneeclaus erinnert am Donnerstag, 18. März, ab 18 Uhr am Busbahnhof (Zob) der Stadt Buxtehude an den gewaltsamen Tod des Kapitäns. Zwei Skinheads – damals 19 und 25 Jahre alt – verletzten den Kapitän am 18. März 1992 lebensgefährlich. Vier Tage später erlag der Kapitän seinen Verletzungen.
Einer der Täter, Stefan Silar (36), spiele heute eine „große Rolle“ in der Neonazi-Szene, betont Maren Brandenburger vom Niedersächsischen Landesamt für Verfassungsschutz. Er sei ein „Spiritus Rector“ (lateinisch für führender, lenkender Geist) in der Region. Über die Jahre sei Stefan Silar „immer politischer geworden“.
Der bekannte Rechtsextremist und Betreiber des Szeneladens „Streetwear“ in Tostedt hatte am 23. November 2009 erneut Schlagzeilen gemacht, der Neonazi hatte in Königsmoor (Kreis Harburg) ein Rechtsrock-Konzert mit 150 Besuchern (anlässlich seines Geburtstags) organisiert. Auf diesem spielte unter anderem „Path of Resistance“ – eine Skinband, die NS-Hardcore spielt.
Rückblick: Die beiden Skinheads Stefan Silar und Stefan K. trafen sich regelmäßig mit ihren Gesinnungsgenossen am Busbahnhof. Diese Zusammenkünfte waren geprägt von „exzessivem Alkoholkonsum, diffusen nationalsozialistischen Vorstellungen und Ausländerhass“. Das alles wurde bei der Gerichtsverhandlung 1992 deutlich.
Im Gespräch hatte der 53-jährige Kapitän zu den beiden gesagt: „Hitler war der größte Verbrecher.“ Daraufhin hatten die Skinheads mit ihren Springerstiefeln auf den 53-Jährigen eingetreten und ihr wehrloses Opfer mit einem Kantholz malträtiert. „Mach ihn tot“, hatte der eine gerufen. Dann hatten sie den blutüberströmten Kapitän zurückgelassen.
„Sie haben keinerlei Reue gezeigt“, betonte der Vorsitzende Richter am Landgericht Stade, Peter Kleberger, bei der Verkündung des Urteils im September 1992 : Sechs und achteinhalb Jahre gab es – wegen Totschlags.
Selbst die Haftstrafe hat einen der beiden Täter nicht läutern können. Stefan Silar machte gleich nach der Entlassung als glühender Anhänger der nationalsozialistischen, rassistischen, gewaltbereiten und letztlich vom Bundesinnenministerium im September 2000 verbotenen Skinhead-Bewegung „Blood & Honour“ (Blut & Ehre) von sich reden. Nach dem Verbot existierten die Strukturen weiter – im Untergrund. Auch beim Prozess gegen das militante Neonazi-Netzwerk „Combat 18″ in Pinneberg stand Silar wegen Körperverletzung vor Gericht.
Und so organisiert der mehrfach vorbestrafte Totschläger seit Jahren – auch im Elbe-Weser-Raum – Konzerte mit rechtsextremistischen Bands und vertreibt unter anderem Tonträger und „Neonazi“-Bekleidung. Er ist in mehreren rechtsextremistischen Netzwerken aktiv – und gilt als „latent gewaltbereit“. (bv)

Buxtehuder Tageblatt – 09.03.2010


1 Antwort auf „Tageblatt Artikel vom 9. März 2010“


  1. 1 blabla 17. März 2010 um 16:32 Uhr

    die überschrift ist irgendwie komisch
    skindhead != nazi -.-

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